Von Andrea Stocken

Freundschaft

Das Lob der Freundschaft lässt sich in den alten Überlieferungen Chinas weit zurückverfolgen. Was Dichter und Weise einst über sie zu sagen wussten, ist manchem Gebildeten heute noch bekannt und findet Widerhall in freundschaftlichen Erfahrungen und Hoffnungen.
So preisen schon die im 2. Jahrhundert zusammengestellten „Lehrgespräche des Konfuzius“ Lunyu 論語 nicht nur das Lernen, sondern auch die Freundschaft, wenn sie mit den berühmten Worten beginnen: „Ist es nicht erfreulich, zu lernen und das Gelernte immer wieder zu üben? Ist es nicht erfreulich, Freunde zu haben, die von weither zu Besuch kommen? Ist der denn kein Edler, der nicht verbittert ist, auch wenn niemand ihn kennt?“
Wenn jemand einen langen Weg auf sich nimmt, um den anderen zu sehen, spricht das für große Wertschätzung: Es muss etwas geben, das beide stark aneinander bindet. Der dritte Satz ist ein Hinweis darauf, dass Konfuzius hier eben nicht an ein nutzorientiertes Beziehungsgeflecht denkt. Dem Edlen genügt es, sich den moralischen Standards entsprechend zu verhalten, die er gerne gelernt hat. Er wird sich nicht verbiegen, bloß um in der Welt vorwärts zu kommen. Viel wertvoller sind Freunde – mögen sie auch wenig zahlreich sein –, die einen so sehr schätzen, dass sie auch von weither zu Besuch kommen.
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