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Tag Archives: Lebenspflege

Prinzipien der Lebenspflege für jeden Monat

一月 / Januar

Im Winter gilt es das Yin hoch zu halten, man soll die Nieren pflegen und nähren und sich vor Kälte schützen.
Es wird zu leichtem, körperlichem Training geraten: Empfohlen werden häufige Spaziergänge, langsames Laufen und ähnliche gemäßigte Bewegungsarten wie Taijiquan oder Bewegungsqigong etc. Gleichzeitig soll man sich stets warm halten, um das Entstehen von Atemwegserkrankungen zu vermeiden.
Gute und schlechte Ernährung für diese Jahreszeit: Eine vernünftige Ernährung kann das Qi, das Blut und die Lebensflüssigkeiten aufbauen bzw. ergänzen. Es wird dazu geraten, viel Lamm-, Hühner- oder Schildkrötenfleisch zu essen. Walnüsse, Datteln, die Drachenaugenfrucht (Longane), die Yamswurzel, die Lotusfrucht, Lilienpflanzen oder Kastanien etc. stärken Milz und Magen, wärmen und bewahren das Nierenyang und haben einen gesundenden Einfluss auf die Milz und die Schleimauflösung. Darüber hinaus verhindern diese Nahrungsmittel Husten und stärken die Lungenfunktion. Wenn man allerdings zu einer „heißen“ Körperkonstitution neigt, (was sich z.B. durch häufiges Nasenbluten, Augenwasser/-krusten morgens nach dem Aufstehen und Mundpickel etc. äußern kann), sollte man von den oben erwähnten Nahrungsmitteln nur gemäßigt essen.Man darf auf keinen Fall kalte Nahrungsmittel zu sich nehmen wie z.B. Eis oder andere kühle, gefrorene oder rohe Sachen.

二月 / Februar

Prinzip der Lebenspflege: Im Frühling und Sommer wird das Yang genährt; im Frühling sollte man sich zudecken.
Tagesablauf: „Mit dem Frühling kommt der Regen, da heißt es früh aufstehen und sich spät hinlegen“. Nach dem Tag des Frühlingsbeginns ist das Klima noch trocken, daher muss man bei der Wasserversorgung auf einen guten Ausgleich achten.

Yangsheng Februar 2016 001

Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte scharf-lauwarme, öffnende Lebensmittel zu sich nehmen wie z.B. chinesische Datteln, gekochte und gegorene Sojabohnen, Lauch, Koriander, Erdnüsse, Schnittlauch und Garnelenfleisch. Verboten sind scharf-beißende Lebensmittel. Im Frühling entsteht erstmals das Yang-Qi, man muss [daher] scharf-süße, öffnende Dinge essen; der sauer-zusammenziehende Geschmack eignet sich dagegen nicht. Denn der saure Geschmack geht in die Leber und hat zusammenziehenden Charakter und wirkt sich ungünstig aus auf die Entstehung von Yang-Qi und das freie Zirkulieren des Leber-Qi; wenn man seine Ernährung an die Lebenspflege anpasst, muss man sich den Bedürfnissen der inneren Organe unterwerfen.

三月 / März

Prinzip der Lebenspflege: Frühling und Sommer nähren das Yang, im Frühling bedeutet das eine Stärkung des Leber.
Tagesablauf: Im Frühling werden all die zehntausend Wesen wieder lebendig. Man sollte spät schlafen gehen und früh aufstehen, viel spazieren gehen und dabei keine Eile haben. Das macht die geistigen Kräfte frohgemut und den Körper gesund.

Yangsheng März_Zuschnitt

Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte mehr Süßes zu sich nehmen, wie z.B. chinesische Datteln, Puffreis, Yams, chinesischen Schnittlauch, Spinat, Hirtentäschel, Hühnerfleisch oder Hühnerleber, und umso weniger Saures, wie z.B. Tomaten, Zitronen oder Mandarinen. Zum Frühling passen eher die die wärmenden Speisen, die Yang-Qi tonisieren. Sun Simiao, der tang-zeitliche „König der Arzneikunst“, hat gesagt: „Im Frühling spart man am besten am Sauren und isst mehr Süßes, um das Qi der Milz zu stärken.“ Die chinesische Medizin betrachtet Milz und Magen als die Wurzel des nachhimmlischen, also nach der Geburt aufgenommenen Qi. Mit dem Frühling steht die Leber in Resonanz, und wenn das Leber-Qi zu üppig wird, kann es der Milz schaden. Daher der Rat, im Frühling darauf zu achten mehr Süßes und weniger Saures zu essen, damit auf diese Weise die Milz gestärkt wird.

四月 / April

Prinzipien der Lebenspflege: Die Niere kräftigen, Yin und Yang regulieren.
Das A und O der Lebenspflege: Um sich weiterhin beschwingt zu fühlen, sollte man sich für sanfte Bewegungsformen entscheiden, die in sich still und ruhig sind, wie etwa Frühlingsspaziergänge ins Grüne, Gymnastik und Taijiquan. Bezüglich der Regulierung der Speisen, sollte man zu festen Zeiten eine bestimmte Menge Nahrung zu sich nehmen und nicht maßlos essen.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte viel Spinat essen, ebenso Hirtentäschelkraut, Röhrenlauch, Obst, Yamswurzel, Chinesische Bocksdornbeeren [Goji-Beeren] und Hasenfleisch. Meiden sollte man bittere und scharfe Nahrungsmittel, ölige und fette Speisen, Lebensmittel der Großen Kälte (Dahan) wie Chilli, fettes Fleisch, Salzwasserfisch, Garnelen etc.

五月 / Mai

Prinzipien der Lebenspflege: Nach der chinesischen Medizintheorie ist die Zeit um den „Beginn des Sommers“ (li xia) besonders günstig für physiologische Aktivitäten, die dem Herzen gut tun. In der Übergangszeit zwischen Frühling und Sommer müssen sich die Menschen der Wetterveränderung anpassen. Dabei ist es besonders wichtig auf das Herz zu achten.
Pflege des Geistes: Mit Blick auf die geistigen Kräfte sollte man am Übergang zum Sommer eine positive Einstellung des Herzens bewahren. Man achte darauf, dass plötzliche Freude oder plötzlicher Ärger das Yang-Qi des Herzens nicht schädigen können.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Es ist nun gut, viele Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, welche die innere Hitze klären und die Feuchtigkeit befördern, wie zum Beispiel rote Bohnen, Hiobstränensamen, grüne Bohnen, Wachskürbis, Schwammkürbis, Gartenkresse, Judasohren, Lotuswurzel, Karotten, Tomaten, Wassermelone, Yams und Ähnliches. Meiden sollte man hingegen fette, süße und schwere Speisen sowie alles Beißende und Scharfe, was die Hitzebildung anregt. So sollte man zum Bespiel tierische Fette, Meeresfrüchte und Fische, rohe Zwiebeln, rohen Knoblauch sowie Chili meiden.

六月 / Juni

Prinzipien der Lebenspflege: Achten Sie darauf, Ihre Konstitution zu stärken und versuchen Sie, saisonal bedingte oder ansteckende Krankheiten wie Hitzschlag, Mumps oder Windpocken zu vermeiden.
Das A und O der Lebenspflege: Spät ins Bett gehen und früh aufstehen – das Blut wird so, mit der vollen Energie des Yang-Qi, belebend durch den Körper kreisen.

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Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Grundsätzlich sollten Sie nun klare und stärkende Speisen und Getränke zu sich nehmen. Gut eignen sich Gemüse, Tofu und Früchte, wie Ananas, Balsambirne, Wassermelone, Litschi, Mango, grüne Bohnen, rote Bohnen usw. Vermeiden Sie ölige und fette Speisen.

七月 / Juli

Prinzipien der Lebenspflege: Nun gibt es, das Yang-Qi, also das temperamentvolle Qi, zu schützen und bewahren.
Das A und O der Lebenspflege: Menschen, die an Krankheiten der Blutgefäße des Herzen oder des Gehirns leiden, sollten ganz besonders auf ausreichend Schlaf achten und die Wohnung stets gut durchlüften. Gerade an heißen Tagen ist es äußerst wichtig, einen Hitzschlag zu vermeiden und sich vor den hohen Temperaturen zu schützen. Man sollte immer darauf bedacht sein, die Hitze z.B. durch Ventilatoren, Sonnenschirme, Markisen, Fächer etc. zu mildern.

Yangsheng Juli_klein

Auch auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln muss geachtet werden, um bakterielle Darmerkrankungen zu vermeiden. Menschen, die sich in dieser Zeit im Freien aufhalten und draußen arbeiten müssen, sollten besonders viel Wasser trinken.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Grundsätzlich sollten Sie nun klare und milde Speisen und Getränke zu sich nehmen, Gemüse und besonders grün-blättriges Gemüse, Gurken und Bittermelone, auch Balsambirne oder auch bittere Springgurke genannt, sind zu empfehlen. Auch Obst und allen voran die Wassermelone tun Ihnen jetzt gut. Vermeiden Sie auf jeden Fall ölige und fette Speisen.

八月 / August

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Nach wie vor gilt es, die Hitze zu vermeiden und die Temperatur zu senken.

Zu beachten: Der „Herbsttiger“* tritt bei großer Hitze auf, er schädigt die menschlichen Körperflüssigkeiten und es kommt leicht zu Krankheitsbildern wie trockener Haut, trockenen Augen, trockenem Rachen, wenig Speichel, tiefgelbem Urin und klumpigem Stuhlgang. Bei alten Leuten kommt es in dieser Zeit oft auch zu Problemen mit Herz, Hirn und Blutgefäßen.

Mentale Anpassung: Nach dem „Herbstbeginn“ sollte man seinen Geist dergestalt trainieren, dass man innerlich ruhig wird und seine Absichten befriedet; die Gefühle sollten angenehm entspannt sein, man sollte tunlichst schädliche Gefühle wie Trauer und Sorgen meiden, um der friedvollen Energie des Herbstes zu entsprechen.

Tagesablauf: In seinem Leben sollte man damit beginnen, „früh zu Bett zu gehen und früh aufzustehen und mit den Vögeln aktiv zu werden“.

*In der Periode zwischen August und Ende Oktober kommt der „Herbsttiger“ nach China, das bedeutet das Wiederaufleben der großen sommerlichen Hitze.

九月 / September

Das Grundprinzip der Lebenspflege besteht nun darin, dass Yin und Yang zum Ausgleich kommen, indem seine Yin Nachgiebigkeit zeigt und Yang sich in Zaum hält.

Zu beachten:
Das Herz finde zu einer fröhlichen Gemütsverfassung, und es ist auch gut, den Körper zu trainieren. Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist auch, Vorkehrungen gegen die dem Herbst typische Trockenheit zu treffen.

Die richtige Ernährung:
Jetzt ist es günstig, vermehrt Amerikanischen Ginseng zu sich zu nehmen sowie die Wurzeln der Schellenblume (Adenophora stricta), Lilienblüten und Mandeln, Knollen der Sichuan-Schachblume (Fritillaria), Wachskürbis und andere Arten von Kürbis, Karotten und Birnen.
Hingegen sollte man nicht das Weiße der Frühlingzwiebel verwenden und auch nicht frischen Ingwer, Kardamon oder Koriander.
Das ist alles dient jetzt dazu, Erkältungskrankheiten vorbeugen oder auch zu kurieren.
Keinesfalls essen sollte man nun Fische, Garnelen oder anderes Meerestiere wie Degenfische oder Krabben, und auch Chinesischen Schnittlauch und Chili muss man meiden.

十月 / Oktober

Das Grundprinzip der Lebenspflege:
Im Herbst und im Winter geht es darum, das Yin zu kräftigen. In der herbstlichen Jahreszeit muss man alles Yin-Qi, das im Körper gespeichert ist, bewahren und nähren. Denn eben in der Zeit, wenn das Wetter kalt wird, wird Yang-Qi geschwächt und die Yin-Essenzen verstecken sich im Inneren. Dem begegnet man am besten damit, dass man das Yin-Qi bewahrt und nährt.

Wie nun in geistiger Hinsicht gut für sich gesorgt wird:
Man achte nun darauf, seine Stimmungen nicht entgleiten zu lassen. Man vermeide emotionale Verletzungen und unternehme nurmehr solche Dinge, die einem das Herz öffnen und fröhlich machen. Man bewahre sich eine mitmenschliche, gute innere Haltung. Auf diese Weise verbringe man friedlich und gelassen die herbstliche Jahreszeit.
Unter den menschlichen Organen entspricht dem Herbst die Lunge. Deshalb sollte man zu dieser Zeit darauf achten, dass kein trockenes und schrägläufiges Qi in den Körper eindringen und ihm schaden kann, das die Yin-Essenzen der Lunge verletzen würde.

Die richtige Ernährung:
Es ist nun angemessen, vermehrt Sesam, Klebreis und anderen Reis zu essen, sowie Honig, Hühner- und Rindfleisch, Fisch, Chinesische Dattel (Jujube), Jamswurzel und dergleichen. Das alles dient der Stärkung der körperlichen Konstitution.
Weniger sollte man hingegen Zwiebelgewächse, Ingwer, Knoblauch und scharfe Speisen zu sich nehmen.

十一月 / November

Grundprinzip der Lebenspflege:
Man nähre nun das Essenz-Qi, haushalte mit den Kräften und bewahre sie. Es geht um die Stärkung der körperlichen Konstitution.

Wie man nun in geistiger Hinsicht gut für sich sorgt:
In seelisch-geistiger Hinsicht besteht die Lebenspflege im November darin innere Ruhe und Stille einkehren zu lassen. Das dient dem Schutz von Yang-Qi und verhindert, dass Yin-Qi übermäßig aufgezehrt wird. Man halte an einer moralisch guten Einstellung fest.

Alltag:
Sein Leben gestalte man nun so, dass man früher schlafen geht und später aufsteht, so dass für ausreichend Schlaf gesorgt ist. Man kümmere sich darum, dass der Rücken immer schön warm bleibt. Das hilft dem Yang-Qi bei seinem sicheren Versteck und den Yin-Essenzen bei ihrer Speicherung. Auch bei der Wahl der Kleidung sollte man nun auf den Erhalt der Körperwärme achten. Beim Essen und Trinken halte man sich an das Prinzip „im Herbst und Winter das Yin-Qi zu nähren“.

Ge- und Verbote beim Essen und Trinken:
Nun isst man vermehrt das Fleisch von Rind und Schaf sowie von Huhn und anderem Geflügel. Gut sind auch Sojamilch, Kuhmilch, Karotten und ähnliches. Dagegen sollte man weniger Nahrungsmittel zu sich nehmen, die als kalt charakterisiert sind, wie z.B. Meeresfrüchte.

„Die optimale Mitte ist ein sich bewegender Punkt.“ Markus Rupperts Buch hat das Zeug zum Standardwerk

Von Georg Patzer

Qigong-Ruppert

Um gleich beim Schluss anzufangen: So ein sensibles, präzises Buch hab ich noch selten gelesen, vielleicht noch nie. Ich weiß nicht, wie viel richtige Neulinge damit anfangen können, aber fortgeschrittene Anfänger werden es lieben. Und viel benutzen, hoffentlich.

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