Von Anja Sommerer

Vor einigen Jahren nahmen wir am Ersten Internationalen Traditionellen Wushu-Festival 首届世界传统武术节 in Zhengzhou teil. Es war ein großartiges Ereignis und um uns Wushu trainierende Ausländer wurde viel Aufhebens gemacht. Schon bei unserer Ankunft in der Stadt wurden wir von Reportern begrüßt und Gerhard stellte sich unerschrocken für ein Interview zur Verfügung. Der Beitrag erschien samt Foto am nächsten Tag in der Zeitung, was Gerhard eine gewisse Bekanntheit verlieh und dazu führte, dass wir bei unseren Ausflügen durch die Stadt ständig angesprochen wurden. Eine ganz neue Erfahrung.

Zhengzhou-Jungs1 Kopie

Die Eröffnungsshow im Stadion von Zhengzhou war gigantisch, beginnend mit dem Einlaufen aller Nationalteams wie bei einer Olympiade, gefolgt von einer aufwändigen Vorführung und einem abschließendem, riesigem Feuerwerk. Neben den Wettkämpfen hatten die Veranstalter eine Reihe von Ausflügen organisiert, unter anderem zum Songshan 嵩山, der Wiege des Shaolin Gongfu 少林功夫. Hunderte Sportler zeigten ihre Wushu-Stile am Straßenrand in vielfältigen Formationen, farbenprächtigen Anzügen und mit vielerlei Waffen (unter anderem: Besen), während wir mit zahllosen Bussen staunend an ihnen vorüberfuhren. Die Wegstrecke bis zum Tempel war gesäumt von Kindern, die im Lotussitz am Wegesrand saßen und meditativ auf einen Holzfrosch schlugen.

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Nach Abschluss des Festivals machten wir uns auf Richtung Norden, um zuerst Beijing zu besuchen und von dort einen Abstecher in die Innere Mongolei zu machen. Wir flogen also von Beijing nach Hohhot (chinesisch 呼和浩特 Huhehaote) und hatten dort etwa eine Woche Zeit für eine Tour ins Grasland und in den Süden der Wüste Gobi. Unsere Vorstellung von unendlicher Weite, Nomaden in Jurten und wilden Wüstenregionen deckte sich nicht so ganz mit dem, was wir dort zu sehen bekamen. Denn leider entpuppte sich unsere Jurtenreise schnell als Touristenfalle. Mit dem VW Santana ging es erst einmal in eine Pseudojurte, wo wir den vormittags gereichten Schnaps höflich und mit Nachdruck ablehnten. Nein, dort in der am Stadtrand aufgestellten Jurte wollten wir nicht bleiben. So ging es dann nach zäher Verhandlung weiter ins Grasland in eine kleine Jurtensiedlung mit Wirtsjurte und vier Gästejurten.

Jurte

Auf Pferden ritten wir dort holprig durch die Steppe, vorbei an einem Salzsee und zu einem Hügel, auf dem der Geist des Pferdes anhand eines Pferdekopfes verehrt wurde. Abends wurde uns ein Essen, bestehend aus einer Hammelschulter (kurz ins Feuer geworfen, auf undefinierbare Weise gegart, zäh, hart, ohne Geschmack oder Gewürze, ganz „natur“, ohne Beilagen), gereicht, für das wir viele, viele Renminbi-Schein-chen hinblättern mussten. Wir verbrachten eine außerordentlich kühle Nacht bei einem kleinen Ofen, der schnell ausging und uns den Grüntee in der Tasse gefrieren ließ. Was haben wir gelacht und gestaunt, als uns das Frühstück serviert wurde, in Form der abendlich halb abgegessenen Hammelschulter, für die wir ein zweites Mal tief in unsere Taschen greifen mussten.

Wüste

Am nächsten Tag stiegen wir wieder in den VW Santana und weiter ging es Richtung Baotou zu den Dünen. Leider war Gerhard nicht schwindelfrei und so ritten nur Günther und Anja, begleitet von inmitten einer Schar chinesischer Touristen, auf Kamelen durch die Dünen – erhaschten einen kurzen Eindruck von Weite und Herrlichkeit, bevor sie schon wieder umkehren mussten.

Dorf

Auf dem Rückweg in die Stadt ging es über Straßen voll kleiner Lastwägen, die scheinbar ohne jede Zuladungsbeschränkung Kohle transportierten. Sie ließen eine Reihe von herabgefallenen Kohlebrocken mitten auf der Fahrbahn liegen, die wir und andere dann auf unserem Rückweg umfahren mussten.

An einem Tag fuhren wir von Hohhot in windigem, wildem Ritt auf dem dreirädrigen Motorrad-Taxi aufs Land. Wir wollten uns umsehen, die Gegend kennen lernen und kamen in ein scheinbar menschenleeres Dorf. Überall lagen Maiskolben zum Trocknen auf den flachen Dächern, wir sahen streunende Hunde, jedoch keine Menschenseele. Etwas weiter entdeckten wir auf einem Feld einen pflügenden Bauern mit seinem Maultier – wo all die anderen Dorfbewohner waren, haben wir bis heute nicht herausgefunden.

Hotpot

Der Ruhepol zwischen unseren Ausflügen war die Lobby unseres Hotels. Wie auf einer Insel tranken wir dort unseren Kaffee (Gerhard taufte ihn Marke Herztod, denn er war fast untrinkbar stark) und sahen den Fischen im Aquarium zu, die in einem grossen Schwarm gleitend, ruhig und meditativ ihre Kreise zogen.

Am letzten Abend wollten wir Huoguo 火锅 (Feuertopf) essen gehen und verbrachten einen vergnüglichen Abend mit herzlicher und lustiger Bedienung im Restaurant. Der Feuertopf kam samt Kamin auf den Tisch und die Suppe darin wurde fortlaufend aufgegossen. Vor der Tür wurden die Töpfe von einem dickbehandschuhten Mitarbeiter mit Kohlen bestückt und während des Essens immer wieder nachgefüllt. Gemüse und Fleisch konnten wir selbst in der Suppe garen und lecker frisches Bier dazu trinken.

Am Ende des Abends stand ein Gruppenfoto an – die fröhlichen Bilder sind allesamt verwackelt. Einzig das, auf dem fast alle ernst gucken, ist einigermaßen scharf geworden. Doch das macht letztendlich auch nichts, denn all die vielen schönen, facettenreichen Bilder dieser wunderbaren und unvergesslichen Reise werden wir immer in unseren Herzen tragen.

Mehr Fotos von der Reise…

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