Von Irmgard Enzinger

Die so genannten „Achtzehn Übungen“ (Liangong shiba fa 练功十八法) gehen auf den Shanghaier Arzt Zhuang Yuanming 庄元明 (1919–2013) zurück, der Schüler des berühmten Wushu-Meisters Wang Ziping 王子平 (1883-1973) war.

Wie sein Meister arbeitete Zhuang als traditioneller Arzt und war insbesondere im orthopädischen Bereich tätig. Nach ihm ist eine von ihm erfundene Tuina-Massagetechnik benannt. Am bekanntesten sind jedoch die von ihm entwickelten „Achtzehn Übungen“, welche er erstmals im Jahr 1972 der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Zhang Yuanming

Bereits sein Meister Wang Ziping hatte ein Übungsset von „Zwanzig Bewegungen zur Vertreibung von Krankheiten und Verlängerung der Lebensjahre“ aufgestellt (Qubing yannian ershi shi 祛病延年二十势, 1958). Zhuang Yuanming arbeitete weiter im Geiste seines Lehrers. Auch er versuchte, wesentliche Elemente alter Lebenspflege-Übungen (Spiel der fünf Tiere, Acht Brokate u.s.w.) aufzugreifen und die Übungsformen den Bedürfnissen seiner Zeitgenossen anzupassen. Im Sinne der nun in der Medizin geforderten Wissenschaftlichkeit hielt er die medizinischen Erfolgsquoten seiner Übungen fest und verbesserte die Bewegungstechniken in seiner jahrzehntelangen ärztlichen Tätigkeit weiter.

Ihre einzigartige Verbindung aus Schlichtheit und Effizienz haben Zhuang Yuanmings „Achtzehn Übungen“ eine große Anhängerschaft weit über Chinas Grenzen hinaus beschert, man spricht von ihrer Verbreitung in über 40 Ländern. Die Metropole Shanghai ist bis heute stolz darauf, sich als Ursprungsort dieser Gesundheitsübungen bezeichnen zu können. So durfte im Jahr 2009 Zhuang Jianshen 庄建申, der Sohn und Nachfolger Zhuang Yuanmings, symbolisch die offizielle Anerkennung der „Achtzehn Übungen“ als „immaterielles Kulturerbe der Stadt Shanghai“ entgegennehmen.

Den WenWu-Redakteurinnen sind die „Achtzehn Übungen“ seit vielen Jahren aus der Münchner Wuyuan-Schule des Meisters Sun Jianguo 孙建国 vertraut. Hier werden sie im Rahmen der Aufwärme-Übungen im Taiji-Unterricht von den Schülern sehr geschätzt. Sie praktizieren meist die so genannten „Vorderen Abschnitt der achtzehn Übungen“ (Liangong shiba fa qianduan 练功十八法前段, kurz: Qian shiba fa 前十八法). Darüber hinaus hat Zhuang Yuanming noch zwei weitere „Achtzehn Übungen“ entwickelt: den „Hinteren Abschnitt der achtzehn Übungen“ (Liangong shiba fa houduan 练功十八法后段, kurz: Hou shiba fa 后十八法) und sowie die „Fortsetzung der achtzehn Übungen“ (Liangong shiba fa xuji 练功十八法续集, kurz: Xu shiba fa 续十八法).

Liangong Shibafa

Auf Deutsch findet sich eine Beschreibung „Vorderen“ und der „Hinteren achtzehn Übungen“ in Timothy Tungs Übungssammlung Wushu. Das chinesische Ganzheitsprogramm für Gesundheit und Wohlbefinden; dieses im BLV-Verlag erschienene Buch ist inzwischen leider vergriffen. Unseren Lesern möchten wir daher die Übungen über folgende Video-Links ans Herz legen, mit der Empfehlung, zumindest eine Abfolge der „Achtzehn Übungen“ zur täglichen Routine werden zu lassen.

Übungs-Gedicht in 48 Schriftzeichen

Man übt den Erfordernissen entsprechend,
mit froher, optimistischer Einstellung,
langsam und fließend,  im Einklang mit der Atmung.
Die Bewegungen sind korrekt und greifen weit aus.
Am wichtigsten sind die innere Kraft und die Erlangung von Qi.
Die Aktivität ist maßvoll und wird allmählich erhöht.
Um Krankheiten abzuwehren und zu heilen,
besteht der Königsweg darin weiter zu üben.

锻炼四十八字诀 — Duànliàn sìshíbā zì jué

针对需要,乐观锻炼。             Zhēnduì xūyào, lèguān duànliàn.
缓慢连贯,配合呼吸。             Huǎnmàn liánguàn, pèihé hūxī.
动作正确,幅度要大。             Dòngzuò zhèngquè, fúdù yào dà.
强调内劲,得气为要。             Qiángdiào nèijìn, dé qì wéi yāo.
活动适量,逐渐提高。             Huódòng shìliàng, zhújiàn tígāo.
防病治病,贵在坚持。             Fángbìng zhìbìng, guì zài jiānchí.

 

Die vorderen achtzehn Übungen

Die hinteren achtzehn Übungen

Die Fortsetzung der achtzehn Übungen