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Wushu

Das Wushu-Duanwei System

Durch das neue Prüfungssystem soll Wushu-Übenden in aller Welt die Möglichkeit geboten werden, ihr technisches und theoretisches Wissen systematisch zu bereichern, sich mit Gleichgesinnten auf Niveau zu messen, und dabei die eigenen Fähigkeiten besser einschätzen zu lernen.

Vorgeschichte

Weiß, gelb, grün, blau, rot, braun, schwarz — die Farbenpracht des Karate- oder Taekwondo-Gürtelsystems galt unter Wushu-Praktizierenden immer schon eher als etwas befremdlich. Im Gegensatz zu den japanischen und koreanischen Kampfkunstkollegen war der Ausbildungsweg für einen Schüler des chinesischen Wushu ganz geradlinig: Er war Schüler und blieb das auch zeitlebens vor seinem Meister, konnte aber auch selbst nach jahrelangem, mühevollem Training, ein Training, das die Chinesen mit „Bitternis essen“ (chi ku) umschreiben, irgendwann selbst die Meisterstufe erreichen.

2016-03-12 20.05.42

Obwohl das äußerst anstrengende, charakterbildende Training so manchen Anhänger dieser Sportart davon überzeugte, der in der Ausbildung anhaltende „Schülergrad“ sei voll und ganz gerechtfertigt, so gab es doch auch solche, die mit einem Auge zu den anderen asiatischen Kampfkunstkollegen hinüberschielten und sich fragten, warum das Wushu eigentlich keine Graduierungen kannte, die den verschiedenen Ausbildungsstufen Rechnung trugen. Dies führte dann auch dazu, dass Schulen, Vereine, Institutionen vornehmlich in den USA und Europa ihre eigenen Graduierungssysteme ins Leben riefen, was teilweise zu großer Verwirrung innerhalb der Kampfkunstszene führte.

Im Jahr 1998 sollte dieser Verwirrung ein Ende gesetzt werden und auch heimliche Blicke zur ‚Konkurrenz‘ waren nun nicht mehr vonnöten, denn seitdem gibt es auch im chinesischen Wushu ein differenziertes Ausbildungs- und Graduierungssystem: das sogenannte Wushu-Duanwei-System, das von der Chinese Wushu Association, dem chinesischen Dachverband für alle chinesischen Kampfkünste,  in Zusammenarbeit  mit der Nationalen Sportkommission und dem Chinesischen Wushu Forschungsinstitut entwickelt wurde.

Auch wenn die Einführung des chinesischen Wushu Duan-Systems im Vergleich zu den anderen asiatischen Kampfsportarten relativ spät erfolgte, so ist es keineswegs so, dass die chinesischen Kampfkünste niemals ein Prüfungssystem gekannt hätten. Mehr lesen »

Anmerkungen zu Taijiquan und Tuishou

Von Huang Kanghui

Für mich sind die Kampftechniken des traditionellen Taijiquan so etwas wie eine Schatzkarte.

Trainiert man beim Taijiquan sein Qi?

Das Qi zu trainieren ist wesentlicher Bestandteil traditioneller chinesischer Lebenspflege (yang sheng), die früher schon von Daoisten hoch geschätzt wurde. Taijiquan ist ein innerer Stil (neijiaquan), der auf dem Gedankengut des Yin und Yang beruht. Das Qi soll beim Üben des Taijiquan durch den ganzen Körper fließen, „wie eine Perle durch neunerlei Windungen rollen und bis in jeden noch so winzigen Bereich gelangen. “[1] Qi wird durch Gerades ernährt und nimmt dadurch keinen Schaden, Kraft wächst durch Windungen an und ist dadurch im Überfluss vorhanden.

Huang Kuanghui Copyright: Wushu-Akademie Schweiz

Huang Kuanghui
Copyright: Wushu-Akademie Schweiz

Laut Hong Junsheng (1907-1996) hat die Taiji-Koryphäe Chen Fake (1887-1957) immer Wert auf die natürliche Atmung gelegt und gesagt: „Die Körperbewegungen sollen fließend und harmonisch sein und das Qi sollte sich überall natürlich und frei ausbreiten können“. Darum sollten wir beim Taijiquan das Qi nicht willentlich bewegen, sondern darauf achten, natürlich zu atmen. Durch beständiges Üben wird man dies erlernen. Wenn man das Gefühl hat, dass Kraft und Qi nicht ausreichen, müssen die Atemzüge tiefer werden. Wenn man Qi bewusst bewegt und die Koordination von Bewegung und Atmung erzwingt, wird der Qi-Fluss nicht gelingen, sondern man wird im Gegenteil das Qi sogar blockieren. Dies ist für das Üben nicht förderlich und kann sich sogar negativ auf den Körper auswirken.

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Ausgewählte Taijiquan Bewegungen, Folge 2: Yunshou

Von Anja Sommerer und Caroline Roblitschka

Die runden Bewegungen der Arme erinnern an ziehende Wolken – fließend, leicht und anmutig
Eines der Grundprinzipien im Taijiquan ist der ruhige Geist. Der alltägliche geschäftige Gedankenfluss soll sich beruhigen und sich entspannt mit den Bewegungen des Körpers verbinden. Körper und Geist sollen eins werden.

Mit der Bewegung der Wolkenhände (Yunshou 云手) lässt sich die Fähigkeit, Körper und Geist zu verbinden, besonders gut üben. Denn die obere Hand nimmt den Blick mit sich fort und gibt ihn weiter an die zweite Hand, die ihn auf die andere Seite führt. Und dort, wo unser Geist und unser Bewusstsein hin führen, ist auch unser Blick als Ausdruck des Geistes. Durch die Bewegungen können sich Körper und Geist harmonisch ergänzen und zu einer inneren Ruhe gelangen. Unterstützt wird dies von einer tiefen und natürlichen Atmung.

Photo by Anita Ritenour

Photo by Anita Ritenour

Die Wolkenhände finden sich in (beinahe) jeder traditionellen Taiji-Form wieder, oftmals nicht nur ein Mal. Sie sind nach rechts und links ausführbar und je nach Stilart etwas unterschiedlich. Innerhalb der Form ist es manches Mal wie ein Innehalten und Ausruhen und die Wolkenhände können einem vor allem in langen Formen Anhaltspunkt dafür geben, wo man sich gerade in der Form befindet. Diese Bewegung gibt der Form durch ihren sich wiederholenden, beruhigenden Fluss gewissermaßen Struktur. Mehr lesen »

Kungfu als Kraftquell in China

Von Christiane Schmalzl

Drachentanzgruppe an der Universität Qingdao mit Christiane Schmalzl (2. v. links)

Drachentanzgruppe an der Universität Qingdao mit Christiane Schmalzl (2. v. links)

Kungfu ist mein Kraftquell in China. Das ist ein gewichtiger Satz, aber so ist es tatsächlich seit nunmehr 15 Jahren. Zum einen ist die Stadt Qingdao schon so lange zu meiner neuen Heimat geworden, zum anderen habe ich es in dieser Zeit mit Geduld, Ausdauer und endlosem Training geschafft mein Qi 气 zum Leben zu erwecken, mit jedem Training aufs Neue: im wahrsten Sinne ein Quell unerschöpflicher Kraft.
Leider steht meine persönliche Erfahrung im Widerspruch zur Kungfu-Trainingssituation im chinesischen Alltag, die sich eher als Trauerspiel bezeichnen lässt. Nicht nur mein Shifu (师父, Meister) ist darüber sehr unglücklich, denn die Bedingungen sind erbärmlich, sobald es ein wenig mehr sein soll als das morgendliche und abendliche Taijicao 太极操, das Taiji-Üben in öffentlichen Parks. Einen sehr idyllischen und faszinierenden Eindruck vermittelnd,ist das in erster Linie ein Nachahmen kungfu-ähnlicher Bewegungsformen, eine tolle Beschäftigung für zumeist Rentner und ältere Menschen, die sich auf diese Weise Gesundheit und jungen Geist bewahren. Die ältere Generation im Westen könnte sich daran ein Beispiel nehmen.
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Ausgewählte Taijiquan-Bewegungen, Folge 1: Danbian

Von Anja Sommerer und Caroline Roblitschka

Viele Bewegungen üben wir schon lange und immer wieder innerhalb der unterschiedlichen Formen und Stile. Betrachtet man die Bewegungen zur Abwechslung einmal einzeln mit etwas detaillierterem Wissen zu ihrem Namen, ihrem Ablauf und ihrer praktischen Anwendung, wird man bewusster trainieren. Und so wird man seinem Ziel ein Stückchen näher kommen, die Bewegungen innerlich gesammelt und äußerlich geschmeidig und ruhig, verwurzelt und doch im kontinuierlichen Fluss auszuüben. Hierzu möchte diese Auswahl Taiji-Trainierenden Hintergrundinformationen an die Hand geben und in jeder Folge eine Bewegung etwas genauer studieren.
„Der Meister führt dich zum Tor und lässt dich eintreten. (Das, was hinter dem Tor liegt, nämlich) die Vervollkommnung des eigenen Charakters (und die Perfektionierung der Kampfkunsttechnik) liegt an dir selbst.“ (shifu ling jin men, xiu xing zai ge ren 师傅领进门,修性在个人). Zu dieser Vervollkommnung gehört unter anderem mit Fleiß und Ausdauer zu üben, die Bereitschaft, „Bitternis zu essen“ (chi ku 吃苦) und uns auch unablässig weiterzubilden. Dies müssen wir also mitbringen, um uns im Training weiterzuentwickeln. Auf diese Weise werden wir irgendwann an den Punkt kommen, die Bewegungen intuitiv richtig zu machen, ohne uns daran zu erinnern, auf welchem Weg wir dorthin gekommen sind. „Wenn man den Fisch bekommen hat, vergisst man die Reuse“ (de yu wang quan 得鱼忘筌). Zur Kampfkunsttugend zhi 知 (Wissen) siehe auch Andrea Stocken: „Wissen und Erkenntnis im alten China“ in WenWu Ausgabe 1.2012.

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Die achtzehn Übungen des Zhuang Yuanming

Von Irmgard Enzinger

Die so genannten „Achtzehn Übungen“ (Liangong shiba fa 练功十八法) gehen auf den Shanghaier Arzt Zhuang Yuanming 庄元明 (1919–2013) zurück, der Schüler des berühmten Wushu-Meisters Wang Ziping 王子平 (1883-1973) war.

Wie sein Meister arbeitete Zhuang als traditioneller Arzt und war insbesondere im orthopädischen Bereich tätig. Nach ihm ist eine von ihm erfundene Tuina-Massagetechnik benannt. Am bekanntesten sind jedoch die von ihm entwickelten „Achtzehn Übungen“, welche er erstmals im Jahr 1972 der Öffentlichkeit zugänglich machte. Mehr lesen »

Zehn Verbote für den Kampfkünstler – Xi wu shi jin

Von Caroline Roblitschka

Baoquanli - Die respektvolle Begrüßung

Baoquanli – Die respektvolle Begrüßung

Die Niederschrift der „Zehn Verbote für den Kampfkünstler“ (Xi wu shi jin 习武十禁) wird dem Shaolin-Mönch Jue Yuan 觉远 zugeschrieben, der gegen Ende der Südlichen Song-Dynastie (1126–1279) gelebt haben soll. In den chinesischen Quellen heißt es, Jue Yuan habe sich damals einen Namen als großer Meister der chinesischen Kampfkünste gemacht und im Shaolin-Kloster die Mönche in der Kampfkunst unterrichtet. Seine Aufzeichnungen wurden zum ersten Mal im Jahr 1915 in dem Werk „Geheime Techniken der Shaolin Kampfkunst“ (Shaolinquan shu mijue 少林拳术秘诀) der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, dabei finden sich auch folgende Erläuterungen der „Zehn Verbote“.

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Reise in die Innere Mongolei

Von Anja Sommerer

Vor einigen Jahren nahmen wir am Ersten Internationalen Traditionellen Wushu-Festival 首届世界传统武术节 in Zhengzhou teil. Es war ein großartiges Ereignis und um uns Wushu trainierende Ausländer wurde viel Aufhebens gemacht. Schon bei unserer Ankunft in der Stadt wurden wir von Reportern begrüßt und Gerhard stellte sich unerschrocken für ein Interview zur Verfügung. Der Beitrag erschien samt Foto am nächsten Tag in der Zeitung, was Gerhard eine gewisse Bekanntheit verlieh und dazu führte, dass wir bei unseren Ausflügen durch die Stadt ständig angesprochen wurden. Eine ganz neue Erfahrung.

Zhengzhou-Jungs1 Kopie
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Martial Arts: China and the West

Von Caroline Roblitschka

„Martial Arts in a Cultural Perspective: China and the West – And how to enhance the Popularization of Wushu in the Western World“. With the following summarized results of the doctoral research of Caroline Roblitschka, we will just give some food for thought to discuss Wushu among Wushu practitioners all over the world.

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Subject of the research

First, to talk about Martial Arts and their diversity we have to try to expose the different developments of Chinese and Western martial arts from an anthropological point of view and from the perspective of a comparison between the Chinese and the Western cultures.

Second, we have to try to seize on important aspects that have to be considered to enhance the popularization of Chinese Wushu in the West. The discussion of this subject is mainly based on the result of an extensive survey among Westerners (mostly Europeans) – practitioners and non-practitioners of Wushu.

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The Grandmaster – Kraftvoll und bildgewaltig, subtil und rätselhaft zugleich

Von Caroline Roblitschka und Andrea Stocken

Grandmaster_Poster

Ein spektakulärer Kampf im Stil von „Einer gegen Alle“, ästhetisch und bildgewaltig choreographiert, und die Botschaft, dass es sich beim Kungfu nur um die Frage dreht, ob „waagrecht“ oder „senkrecht“ – wer zuletzt noch steht, hat gewonnen, egal welcher der Kampfkünste er sich dabei bedient.

Diese erste Szene von Wong Kar Wais neuestem Film The Grandmaster (一代宗师 Yī dài zōng shī) macht bereits klar, dass man hier keine tiefgründigen philosophischen Betrachtungen zu erwarten hat, und ebenso schließt der Film auch, ähnlich einem Werbespot, mit der Frage „Was ist dein Stil?“

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