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Kultur und Philosophie

Prinzipien der Lebenspflege für jeden Monat

一月 / Januar

Im Winter gilt es das Yin hoch zu halten, man soll die Nieren pflegen und nähren und sich vor Kälte schützen.
Es wird zu leichtem, körperlichem Training geraten: Empfohlen werden häufige Spaziergänge, langsames Laufen und ähnliche gemäßigte Bewegungsarten wie Taijiquan oder Bewegungsqigong etc. Gleichzeitig soll man sich stets warm halten, um das Entstehen von Atemwegserkrankungen zu vermeiden.
Gute und schlechte Ernährung für diese Jahreszeit: Eine vernünftige Ernährung kann das Qi, das Blut und die Lebensflüssigkeiten aufbauen bzw. ergänzen. Es wird dazu geraten, viel Lamm-, Hühner- oder Schildkrötenfleisch zu essen. Walnüsse, Datteln, die Drachenaugenfrucht (Longane), die Yamswurzel, die Lotusfrucht, Lilienpflanzen oder Kastanien etc. stärken Milz und Magen, wärmen und bewahren das Nierenyang und haben einen gesundenden Einfluss auf die Milz und die Schleimauflösung. Darüber hinaus verhindern diese Nahrungsmittel Husten und stärken die Lungenfunktion. Wenn man allerdings zu einer „heißen“ Körperkonstitution neigt, (was sich z.B. durch häufiges Nasenbluten, Augenwasser/-krusten morgens nach dem Aufstehen und Mundpickel etc. äußern kann), sollte man von den oben erwähnten Nahrungsmitteln nur gemäßigt essen.Man darf auf keinen Fall kalte Nahrungsmittel zu sich nehmen wie z.B. Eis oder andere kühle, gefrorene oder rohe Sachen.

二月 / Februar

Prinzip der Lebenspflege: Im Frühling und Sommer wird das Yang genährt; im Frühling sollte man sich zudecken.
Tagesablauf: „Mit dem Frühling kommt der Regen, da heißt es früh aufstehen und sich spät hinlegen“. Nach dem Tag des Frühlingsbeginns ist das Klima noch trocken, daher muss man bei der Wasserversorgung auf einen guten Ausgleich achten.

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Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte scharf-lauwarme, öffnende Lebensmittel zu sich nehmen wie z.B. chinesische Datteln, gekochte und gegorene Sojabohnen, Lauch, Koriander, Erdnüsse, Schnittlauch und Garnelenfleisch. Verboten sind scharf-beißende Lebensmittel. Im Frühling entsteht erstmals das Yang-Qi, man muss [daher] scharf-süße, öffnende Dinge essen; der sauer-zusammenziehende Geschmack eignet sich dagegen nicht. Denn der saure Geschmack geht in die Leber und hat zusammenziehenden Charakter und wirkt sich ungünstig aus auf die Entstehung von Yang-Qi und das freie Zirkulieren des Leber-Qi; wenn man seine Ernährung an die Lebenspflege anpasst, muss man sich den Bedürfnissen der inneren Organe unterwerfen.

三月 / März

Prinzip der Lebenspflege: Frühling und Sommer nähren das Yang, im Frühling bedeutet das eine Stärkung des Leber.
Tagesablauf: Im Frühling werden all die zehntausend Wesen wieder lebendig. Man sollte spät schlafen gehen und früh aufstehen, viel spazieren gehen und dabei keine Eile haben. Das macht die geistigen Kräfte frohgemut und den Körper gesund.

Yangsheng März_Zuschnitt

Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte mehr Süßes zu sich nehmen, wie z.B. chinesische Datteln, Puffreis, Yams, chinesischen Schnittlauch, Spinat, Hirtentäschel, Hühnerfleisch oder Hühnerleber, und umso weniger Saures, wie z.B. Tomaten, Zitronen oder Mandarinen. Zum Frühling passen eher die die wärmenden Speisen, die Yang-Qi tonisieren. Sun Simiao, der tang-zeitliche „König der Arzneikunst“, hat gesagt: „Im Frühling spart man am besten am Sauren und isst mehr Süßes, um das Qi der Milz zu stärken.“ Die chinesische Medizin betrachtet Milz und Magen als die Wurzel des nachhimmlischen, also nach der Geburt aufgenommenen Qi. Mit dem Frühling steht die Leber in Resonanz, und wenn das Leber-Qi zu üppig wird, kann es der Milz schaden. Daher der Rat, im Frühling darauf zu achten mehr Süßes und weniger Saures zu essen, damit auf diese Weise die Milz gestärkt wird.

四月 / April

Prinzipien der Lebenspflege: Die Niere kräftigen, Yin und Yang regulieren.
Das A und O der Lebenspflege: Um sich weiterhin beschwingt zu fühlen, sollte man sich für sanfte Bewegungsformen entscheiden, die in sich still und ruhig sind, wie etwa Frühlingsspaziergänge ins Grüne, Gymnastik und Taijiquan. Bezüglich der Regulierung der Speisen, sollte man zu festen Zeiten eine bestimmte Menge Nahrung zu sich nehmen und nicht maßlos essen.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte viel Spinat essen, ebenso Hirtentäschelkraut, Röhrenlauch, Obst, Yamswurzel, Chinesische Bocksdornbeeren [Goji-Beeren] und Hasenfleisch. Meiden sollte man bittere und scharfe Nahrungsmittel, ölige und fette Speisen, Lebensmittel der Großen Kälte (Dahan) wie Chilli, fettes Fleisch, Salzwasserfisch, Garnelen etc.

五月 / Mai

Prinzipien der Lebenspflege: Nach der chinesischen Medizintheorie ist die Zeit um den „Beginn des Sommers“ (li xia) besonders günstig für physiologische Aktivitäten, die dem Herzen gut tun. In der Übergangszeit zwischen Frühling und Sommer müssen sich die Menschen der Wetterveränderung anpassen. Dabei ist es besonders wichtig auf das Herz zu achten.
Pflege des Geistes: Mit Blick auf die geistigen Kräfte sollte man am Übergang zum Sommer eine positive Einstellung des Herzens bewahren. Man achte darauf, dass plötzliche Freude oder plötzlicher Ärger das Yang-Qi des Herzens nicht schädigen können.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Es ist nun gut, viele Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, welche die innere Hitze klären und die Feuchtigkeit befördern, wie zum Beispiel rote Bohnen, Hiobstränensamen, grüne Bohnen, Wachskürbis, Schwammkürbis, Gartenkresse, Judasohren, Lotuswurzel, Karotten, Tomaten, Wassermelone, Yams und Ähnliches. Meiden sollte man hingegen fette, süße und schwere Speisen sowie alles Beißende und Scharfe, was die Hitzebildung anregt. So sollte man zum Bespiel tierische Fette, Meeresfrüchte und Fische, rohe Zwiebeln, rohen Knoblauch sowie Chili meiden.

六月 / Juni

Prinzipien der Lebenspflege: Achten Sie darauf, Ihre Konstitution zu stärken und versuchen Sie, saisonal bedingte oder ansteckende Krankheiten wie Hitzschlag, Mumps oder Windpocken zu vermeiden.
Das A und O der Lebenspflege: Spät ins Bett gehen und früh aufstehen – das Blut wird so, mit der vollen Energie des Yang-Qi, belebend durch den Körper kreisen.

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Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Grundsätzlich sollten Sie nun klare und stärkende Speisen und Getränke zu sich nehmen. Gut eignen sich Gemüse, Tofu und Früchte, wie Ananas, Balsambirne, Wassermelone, Litschi, Mango, grüne Bohnen, rote Bohnen usw. Vermeiden Sie ölige und fette Speisen.

七月 / Juli

Prinzipien der Lebenspflege: Nun gibt es, das Yang-Qi, also das temperamentvolle Qi, zu schützen und bewahren.
Das A und O der Lebenspflege: Menschen, die an Krankheiten der Blutgefäße des Herzen oder des Gehirns leiden, sollten ganz besonders auf ausreichend Schlaf achten und die Wohnung stets gut durchlüften. Gerade an heißen Tagen ist es äußerst wichtig, einen Hitzschlag zu vermeiden und sich vor den hohen Temperaturen zu schützen. Man sollte immer darauf bedacht sein, die Hitze z.B. durch Ventilatoren, Sonnenschirme, Markisen, Fächer etc. zu mildern.

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Auch auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln muss geachtet werden, um bakterielle Darmerkrankungen zu vermeiden. Menschen, die sich in dieser Zeit im Freien aufhalten und draußen arbeiten müssen, sollten besonders viel Wasser trinken.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Grundsätzlich sollten Sie nun klare und milde Speisen und Getränke zu sich nehmen, Gemüse und besonders grün-blättriges Gemüse, Gurken und Bittermelone, auch Balsambirne oder auch bittere Springgurke genannt, sind zu empfehlen. Auch Obst und allen voran die Wassermelone tun Ihnen jetzt gut. Vermeiden Sie auf jeden Fall ölige und fette Speisen.

八月 / August

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Nach wie vor gilt es, die Hitze zu vermeiden und die Temperatur zu senken.

Zu beachten: Der „Herbsttiger“* tritt bei großer Hitze auf, er schädigt die menschlichen Körperflüssigkeiten und es kommt leicht zu Krankheitsbildern wie trockener Haut, trockenen Augen, trockenem Rachen, wenig Speichel, tiefgelbem Urin und klumpigem Stuhlgang. Bei alten Leuten kommt es in dieser Zeit oft auch zu Problemen mit Herz, Hirn und Blutgefäßen.

Mentale Anpassung: Nach dem „Herbstbeginn“ sollte man seinen Geist dergestalt trainieren, dass man innerlich ruhig wird und seine Absichten befriedet; die Gefühle sollten angenehm entspannt sein, man sollte tunlichst schädliche Gefühle wie Trauer und Sorgen meiden, um der friedvollen Energie des Herbstes zu entsprechen.

Tagesablauf: In seinem Leben sollte man damit beginnen, „früh zu Bett zu gehen und früh aufzustehen und mit den Vögeln aktiv zu werden“.

*In der Periode zwischen August und Ende Oktober kommt der „Herbsttiger“ nach China, das bedeutet das Wiederaufleben der großen sommerlichen Hitze.

九月 / September

Das Grundprinzip der Lebenspflege besteht nun darin, dass Yin und Yang zum Ausgleich kommen, indem seine Yin Nachgiebigkeit zeigt und Yang sich in Zaum hält.

Zu beachten:
Das Herz finde zu einer fröhlichen Gemütsverfassung, und es ist auch gut, den Körper zu trainieren. Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist auch, Vorkehrungen gegen die dem Herbst typische Trockenheit zu treffen.

Die richtige Ernährung:
Jetzt ist es günstig, vermehrt Amerikanischen Ginseng zu sich zu nehmen sowie die Wurzeln der Schellenblume (Adenophora stricta), Lilienblüten und Mandeln, Knollen der Sichuan-Schachblume (Fritillaria), Wachskürbis und andere Arten von Kürbis, Karotten und Birnen.
Hingegen sollte man nicht das Weiße der Frühlingzwiebel verwenden und auch nicht frischen Ingwer, Kardamon oder Koriander.
Das ist alles dient jetzt dazu, Erkältungskrankheiten vorbeugen oder auch zu kurieren.
Keinesfalls essen sollte man nun Fische, Garnelen oder anderes Meerestiere wie Degenfische oder Krabben, und auch Chinesischen Schnittlauch und Chili muss man meiden.

十月 / Oktober

Das Grundprinzip der Lebenspflege:
Im Herbst und im Winter geht es darum, das Yin zu kräftigen. In der herbstlichen Jahreszeit muss man alles Yin-Qi, das im Körper gespeichert ist, bewahren und nähren. Denn eben in der Zeit, wenn das Wetter kalt wird, wird Yang-Qi geschwächt und die Yin-Essenzen verstecken sich im Inneren. Dem begegnet man am besten damit, dass man das Yin-Qi bewahrt und nährt.

Wie nun in geistiger Hinsicht gut für sich gesorgt wird:
Man achte nun darauf, seine Stimmungen nicht entgleiten zu lassen. Man vermeide emotionale Verletzungen und unternehme nurmehr solche Dinge, die einem das Herz öffnen und fröhlich machen. Man bewahre sich eine mitmenschliche, gute innere Haltung. Auf diese Weise verbringe man friedlich und gelassen die herbstliche Jahreszeit.
Unter den menschlichen Organen entspricht dem Herbst die Lunge. Deshalb sollte man zu dieser Zeit darauf achten, dass kein trockenes und schrägläufiges Qi in den Körper eindringen und ihm schaden kann, das die Yin-Essenzen der Lunge verletzen würde.

Die richtige Ernährung:
Es ist nun angemessen, vermehrt Sesam, Klebreis und anderen Reis zu essen, sowie Honig, Hühner- und Rindfleisch, Fisch, Chinesische Dattel (Jujube), Jamswurzel und dergleichen. Das alles dient der Stärkung der körperlichen Konstitution.
Weniger sollte man hingegen Zwiebelgewächse, Ingwer, Knoblauch und scharfe Speisen zu sich nehmen.

十一月 / November

Grundprinzip der Lebenspflege:
Man nähre nun das Essenz-Qi, haushalte mit den Kräften und bewahre sie. Es geht um die Stärkung der körperlichen Konstitution.

Wie man nun in geistiger Hinsicht gut für sich sorgt:
In seelisch-geistiger Hinsicht besteht die Lebenspflege im November darin innere Ruhe und Stille einkehren zu lassen. Das dient dem Schutz von Yang-Qi und verhindert, dass Yin-Qi übermäßig aufgezehrt wird. Man halte an einer moralisch guten Einstellung fest.

Alltag:
Sein Leben gestalte man nun so, dass man früher schlafen geht und später aufsteht, so dass für ausreichend Schlaf gesorgt ist. Man kümmere sich darum, dass der Rücken immer schön warm bleibt. Das hilft dem Yang-Qi bei seinem sicheren Versteck und den Yin-Essenzen bei ihrer Speicherung. Auch bei der Wahl der Kleidung sollte man nun auf den Erhalt der Körperwärme achten. Beim Essen und Trinken halte man sich an das Prinzip „im Herbst und Winter das Yin-Qi zu nähren“.

Ge- und Verbote beim Essen und Trinken:
Nun isst man vermehrt das Fleisch von Rind und Schaf sowie von Huhn und anderem Geflügel. Gut sind auch Sojamilch, Kuhmilch, Karotten und ähnliches. Dagegen sollte man weniger Nahrungsmittel zu sich nehmen, die als kalt charakterisiert sind, wie z.B. Meeresfrüchte.

Gedanken zum Jahr des Affen

Von Irmgard Enzinger

Nach chinesischem Verständnis leben wir seit dem 8. Februar 2016 im Jahr des Feuer-Affen. Es gibt zahlreiche Prognosen: Ein unruhiges Jahr soll es werden, in dem es auf und ab geht. Viele Möglichkeiten können sich ganz plötzlich und schnell ergeben. Sie führen mal zu viel und mal zu wenig, und auf alle Fälle wird es einem nicht langweilig werden. Als schlauer Kopf gilt er, der Affe, und als Spieler. Er zeigt sich mutig und auffallend frei von Selbstzweifeln. Man liebt ihn oder ärgert sich über ihn als einen unabhängigen Kerl, der sich nicht gerne an Regeln hält und das Unkonventionelle liebt. Er soll etwas Schillerndes an sich haben und zugleich etwas ganz Reines, weil er so geradeheraus und ohne Umschweife handeln kann.

Affe, Linolschnitt von Irmgard Enzinger

Affe, Linolschnitt von Irmgard Enzinger

Vielleicht lässt sich sein Wesen besser verstehen, wenn man es in der Symbolsprache der altchinesischen Weltdeutung betrachtet, also erst einmal zu den alten Vorstellungen zurückgeht, die dem chinesischen Horoskop zugrunde liegen: Das sind die zehn so genannten „Himmelsstämme“, die ein Jahr der Wandlungsphase Wasser, Holz, Feuer, Erde oder Metall zuordnen, und natürlich die zwölf „Erdzweige“, die der Volksmund zu den zwölf Tieren des Horoskops gemacht hat. Und es geht auch um Kräfte wie Yin 阴 und Yang 阳 und die fünf Wandlungsphasen, und, nicht zu vergessen, um die Hexagramme des „Buchs der Wandlungen“ Yijing 易经.

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Peng Zu, der chinesische Methusalem

Von Irmgard Enzinger

Gesund ein hohes Alter zu erlangen, dieses Glück hat in China einen eigenen Namen: shou 壽, das Glück des langen Lebens. Die Symbolfigur des legendär hohen Alters, gewissermaßen eine Entsprechung zum biblischen Methusalem, heißt in China Peng Zu 彭祖. Wie Methusalem lebte auch Peng Zu in ferner Vergangenheit: „Er hatte gegen Ende der Yin-Dynastie ein Alter von siebenhundertsechzig Jahren erlangt, ohne hinfällig geworden zu sein“, weiß der berühmte Daoist Ge Hong 葛洪 (ca. 280–340) weit über tausend Jahre später über ihn zu berichten.

 

Pengzu Bart und Beule

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Die 14 Qigong-Gedichte der Sun Bu’er – chinesischer und deutscher Text

Von Andrea Stocken

Die 14 Qigong-Gedichte der Sun Bu’er, von denen jedes im Original aus acht Versen à fünf Schriftzeichen besteht, beschreiben in bildhafter Weise den Prozess des menschlichen Daseins von vor der Geburt über die Geburt und den zu diesem Zeitpunkt einsetzenden „Verfall“ – wenn man nicht achtgibt, schwächen Sinneseindrücke, Gedanken, übermäßige Gefühle, in die man sich verstrickt, zunehmend die Lebenskraft – über Übungen, um den Alterungsprozess anzuhalten und umzukehren, bis hin zur Rückkehr in den Zustand des Einsseins. Dabei werden immer wieder die komplementären Gegensätze Yin und Yang angesprochen, z.B. Jade und Gold, Meeresgrund und Berggipfel, Regen und Donnerschlag, Mondhase und Sonnenrabe, Ruhe und Bewegung.

Lesen Sie dazu auch Die 14 Qigong-Gedichte der Sun Bu’er – Einführung. Mehr lesen »

Die 14 Qigong-Gedichte der Sun Bu’er – Einführung

Von Andrea Stocken

Sun Bu’er (孙不二, ca.1119-1182) gehört zu den sogenannten Sieben Meistern des Quanzhen-Daoismus. Sie ist so populär, dass sie auch als Romanfigur bei Jin Yong (金庸), dem Verfasser zahlreicher Kämpferromane (武侠小说 wuxia xiaoshuo) auftaucht. Ihr bürgerlicher Name lautete Sun Fuchun (孙富春). Sie war verheiratet mit Ma Yu (马钰, 1123-1183), mit dem sie drei Söhne hatte. Sowohl sie als auch ihr Mann begannen erst im fortgeschrittenen Alter von etwa 50 Jahren, intensiv daoistische Übungen zu betreiben; Sun Bu’er soll, wenn man der weiter unten zitierten biographischen Skizze Glauben schenkt, darin ihren Mann überholt haben. Beider Lehrer war Wang Zhe (王喆, 1113-1170). Die Rahmendaten sind zwar spärlich, geben aber doch einen Hinweis darauf, dass das Praktizieren der Inneren Alchemie viel Zeit erfordert und sich eigentlich nur in klösterlicher bzw. einsiedlerischer Abgeschiedenheit verwirklichen lässt, also gewissermaßen erst dann, wenn „die Kinder aus dem Haus sind“. Der Name „Bu’er“ weist darauf hin, dass Sun sich, als sie einmal den Entschluss gefasst hatte, voll und ganz dem Studium und der Meditation widmete, sich also „nicht zweiteilte“. Mehr lesen »

Unter dem Himmel gibt es Berge: Zum Jahr der Ziegen und Schafe

Von Irmgard Enzinger

Mit dem 18. Februar 2015 beginnt im chinesischen Mondkalender ein Jahr der Ziegen und Schafe. Denn beide, Schafe wie Ziegen, heißen auf Chinesisch yang 羊 und gehören zur gleichen Tierfamilie. Modern und biologisch gesprochen benennt das Zeichen yang 羊 innerhalb der Familie der Hornträger die gesamte Unterfamilie der ziegenartigen Tiere, und zu diesen zählen neben den Ziegen shanyang 山羊 eben auch alle Schafe mianyang 绵羊  und nicht zuletzt auch die Steinböcke yuanyang 羱羊.

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Rätselsprüche und das Leben

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„Es ist am Morgen vierfüßig, am Mittag zweifüßig, am Abend dreifüßig.“ Die Sphinx gab dieses Rätsel auf und all diejenigen, die die richtige Antwort nicht kannten, wurden verschlungen.
Sharon Small führt uns zu zwei Rätseln, die in dem daoistischen Werk Zhuangzi zu finden sind. Wer die Antwort nicht kennt, bleibt verschont, die Freunde aber, die die Antwort erkennen, brechen in herzliches Gelächter aus und erfreuen sich der Innigkeit ihrer Freundschaft. Der Schlüssel zu den Rätseln liegt genau in diesem Lachen und im Leben selbst.
Sharon Smalls Text in englischer Sprache bringt uns diese daoistischen Rätsel und ihre Lösung nahe.
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Bookworm Literary Festival (BLF)

Von Yulia Pohlmann und Uta Weigelt

Vom 7. bis 21. März 2014 findet wieder das Bookworm Literatur-Festival in Peking und anderen chinesischen Städten statt.

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Seit das Bookworm Literary Festival (Laoshuchong wenxuejie) 老书虫文学节, kurz BLF, vor acht Jahren zum ersten Mal in Peking stattfand, hat es sich von einer kleinen, nur Insidern bekannten Veranstaltung zu einem internationalen Ereignis gemausert. Von Anfang an war es Ziel der Organisatoren, nationale und internationale Schriftsteller, Intellektuelle und Künstler zu einem Gedankenaustausch zusammenzuführen und ihre Werke und Ideen dem Publikum vorzustellen. Viele befassen sich mit Themen rund um Chinas Geschichte, Kultur, Ökonomie und Ökologie. Heute ist das Bookworm Literaturfestival ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Lebens Pekings, ja Chinas. In diesem Jahr wird es mit 120 Beteiligten aus 25 verschiedenen Ländern größer sein als je zuvor. Unter ihnen sind der preisgekrönte, amerikanische Romanschriftsteller David Vann, der pakistanisch-kanadische Schriftsteller, Übersetzer und Essayist Musharraf Ali Farooqi sowie die haitianisch-kanadische Autorin Dany Laferreire. Auch der bekannte chinesische Romanautor Yan Lianke gibt sich die Ehre; Mai Jia stellt sein Buch Decoded vor, das im März in englischer Übersetzung erscheinen wird. Der isländische Autor und Dichter Sjón, der schon mit Björk zusammen-gearbeitet hat, Schottlands offizielle Nationale Dichterin Liz Lochhead und Xi Chuan, einer von Chinas einflussreichsten Dichtern sind nur drei von den vielen internationalen Dichtern, die aus ihrem Werk lesen und mit den Besuchern diskutieren werden.

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Im Bereich Sachliteratur bespricht der Brite Jonathan Fenby zwei seiner Titel: Will China Dominate the 21st Century? und The Siege of Tsingtao. Der Amerikaner Adam Minter stellt sein hochgepriesenes Buch Junkyard Planet vor. Im Rahmen des Lesungen zum Internationalen Frauentag stellt Leta Hong Fincher ihren in Kürze erscheinenden Titel Leftover Women: The Resurgence of Gender Inequality in China vor.

Darüber hinaus diskutieren Journalisten, Wissenschaftler und Schriftsteller aus Indien, Russland und dem Westen in verschie-denen Panels zu Themen wie Nachhaltigkeit, Zivilgesellschaft, Urbanisierung und Kunst. Während des Festivals haben die Besucher auch die Möglichkeit in Schreibwerkstätten an Schreib- und Übersetzungskursen teilzunehmen. Natürlich dürfen auch die kleinen Bücherwürmer nicht zu kurz kommen. Kinderbuchautoren und Illustrationen stellen in speziellen Veranstaltungen für die kleinsten Leser ihre Bücher und Hauptakteure vor.

Veranstaltungsorte des Bookworm Literary Festival sind neben den drei Bookworm-Cafes in Peking, Chengdu und Suzhou Hochschulen, Schulen und Buchhandlungen in Peking, Chengdu, Suzhou, Chongqing, Tianjin, Shanghai, Ningbo und – in diesem Jahr zum ersten Mal – auch in Kunming. Das Organisationsteam, das neben einigen Festangestellten aus vielen frei-willigen Helfern bestehlt, hat sich zum Ziel gesetzt, das Bookworm Literary Festival in den nächsten Jahren noch weiter zu vergrößern. Inzwischen hat es international schon so viel Anerkennung gewonnen, dass es in die Gruppe der Word Alliance aufgenommen worden ist und damit zu den acht wichtigsten Literaturfesten der Welt zählt.

Für diejenigen, die nicht dabei sein können, empfehlen wir einen Besuch auf der Webseite http://bookwormfestival.com, um sich einen Überblick über das Festival zu verschaffen.

„Wenn sie wütend sind, kehren sie einander den Hintern zu und schlagen aus“

Anmerkungen zum Jahr des Pferdes

Von Irmgard Enzinger

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Mit dem chinesischen Neujahrstag am 31. Januar 2014 beginnt nach dem traditionellen Mondkalender das Jahr jiǎ wǔ 甲午. Der Volksmund nennt es ein Jahr des Pferdes; das Pferd wird in diesem Jahr von der Wandlungsphase Holz regiert. Den vielen, in ihren Grundzügen oft ähnlichen Erwartungen und Befürchtungen, die von mehr oder weniger berufenen Horoskop-Spezialisten an dieses Jahr herangetragen werden, liegen bestimmte Zuschreibungen zu Grunde, welche der Himmelsstamm jiǎ und der Erdzweig  wǔ im alten chinesischen Weltverständnis erfahren haben. Diesen Zuschreibungen und der Frage nach den hier relevanten Wesenszügen des Pferdes widmet sich dieser Artikel. Mehr lesen »

„Der mich erkennt“ – Freundschaft, Wertschätzung und Seelenverwandtschaft im alten China

Von Andrea Stocken

Freundschaft

Das Lob der Freundschaft lässt sich in den alten Überlieferungen Chinas weit zurückverfolgen. Was Dichter und Weise einst über sie zu sagen wussten, ist manchem Gebildeten heute noch bekannt und findet Widerhall in freundschaftlichen Erfahrungen und Hoffnungen.
So preisen schon die im 2. Jahrhundert zusammengestellten „Lehrgespräche des Konfuzius“ Lunyu 論語 nicht nur das Lernen, sondern auch die Freundschaft, wenn sie mit den berühmten Worten beginnen: „Ist es nicht erfreulich, zu lernen und das Gelernte immer wieder zu üben? Ist es nicht erfreulich, Freunde zu haben, die von weither zu Besuch kommen? Ist der denn kein Edler, der nicht verbittert ist, auch wenn niemand ihn kennt?“
Wenn jemand einen langen Weg auf sich nimmt, um den anderen zu sehen, spricht das für große Wertschätzung: Es muss etwas geben, das beide stark aneinander bindet. Der dritte Satz ist ein Hinweis darauf, dass Konfuzius hier eben nicht an ein nutzorientiertes Beziehungsgeflecht denkt. Dem Edlen genügt es, sich den moralischen Standards entsprechend zu verhalten, die er gerne gelernt hat. Er wird sich nicht verbiegen, bloß um in der Welt vorwärts zu kommen. Viel wertvoller sind Freunde – mögen sie auch wenig zahlreich sein –, die einen so sehr schätzen, dass sie auch von weither zu Besuch kommen.
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