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Acht Brokat-Übungen

Ein uraltes Übungssystem mit wohltuenden Wirkungen auf Körper und Geist »»
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Gesundheitstipp des Monats

So bleiben Sie gesund: Hinweise zur Lebenspflege (Yangsheng) für jeden Monat »»
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Duanwei - Prüfungssystem der chinesischen Kampfkünste

Alles Wissenswerte zum Duanwei System der chinesischen Kampfkünste »»
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Jahr des Affen

In einer sinologischen Betrachtung erweist sich der Affe als liebenswerter Rebell und Unruhestifter. »»
Copyright: Wushu-Akademie Schweiz

Anmerkungen zu Taiji Tuishou

Der Tuishou-Meister Huang Kanghui schreibt über wichtige Trainingsprinzipien des Taiji Tuishou. »»

Acht Brokat-Übungen

Von Irmgard Enzinger

Ein berühmter Schatz der Lebenspflege sind die so genannten Acht Brokat-Übungen Baduanjin 八段锦, wörtlich „Achtteiliger Brokat“. Diese Übungen sind, so sagt ihr Name, schön und edel wie ein aus Seiden-, Gold- und Silberfäden gewebter Stoff, der, wenn man ihn entrollt, seine Eleganz in acht verschiedenen Abschnitten entfaltet. Dabei besteht diese Eleganz nicht in einer besonderen Komplexität der Bewegungen, nicht in gekonnten Verschnörkelungen, sondern in ihrer überzeugenden Schlichtheit.

Man kann diese Übungen zwanzig oder dreißig Minuten lang machen, aber auch schon zehn Minuten sind effektiv. Sie sind leicht zu erlernen, auch der Anfänger erfährt wohltuende Wirkungen auf Körper und Geist. Wer sie aber über längere Zeit regelmäßig praktiziert, wird sie auch als kostbar wie Brokat bezeichnen.

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Prinzipien der Lebenspflege – November

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Grundprinzip der Lebenspflege:
Man nähre nun das Essenz-Qi, haushalte mit den Kräften und bewahre sie. Es geht um die Stärkung der körperlichen Konstitution.

Wie man nun in geistiger Hinsicht gut für sich sorgt:
In seelisch-geistiger Hinsicht besteht die Lebenspflege im November darin innere Ruhe und Stille einkehren zu lassen. Das dient dem Schutz von Yang-Qi und verhindert, dass Yin-Qi übermäßig aufgezehrt wird. Man halte an einer moralisch guten Einstellung fest.

Alltag:
Sein Leben gestalte man nun so, dass man früher schlafen geht und später aufsteht, so dass für ausreichend Schlaf gesorgt ist. Man kümmere sich darum, dass der Rücken immer schön warm bleibt. Das hilft dem Yang-Qi bei seinem sicheren Versteck und den Yin-Essenzen bei ihrer Speicherung. Auch bei der Wahl der Kleidung sollte man nun auf den Erhalt der Körperwärme achten. Beim Essen und Trinken halte man sich an das Prinzip „im Herbst und Winter das Yin-Qi zu nähren“.

Ge- und Verbote beim Essen und Trinken:
Nun isst man vermehrt das Fleisch von Rind und Schaf sowie von Huhn und anderem Geflügel. Gut sind auch Sojamilch, Kuhmilch, Karotten und ähnliches. Dagegen sollte man weniger Nahrungsmittel zu sich nehmen, die als kalt charakterisiert sind, wie z.B. Meeresfrüchte.

Die Lebenspflegetipps der vergangenen Monate finden Sie gesammelt hier.

Prinzipien der Lebenspflege für jeden Monat

一月 / Januar

Im Winter gilt es das Yin hoch zu halten, man soll die Nieren pflegen und nähren und sich vor Kälte schützen.
Es wird zu leichtem, körperlichem Training geraten: Empfohlen werden häufige Spaziergänge, langsames Laufen und ähnliche gemäßigte Bewegungsarten wie Taijiquan oder Bewegungsqigong etc. Gleichzeitig soll man sich stets warm halten, um das Entstehen von Atemwegserkrankungen zu vermeiden.
Gute und schlechte Ernährung für diese Jahreszeit: Eine vernünftige Ernährung kann das Qi, das Blut und die Lebensflüssigkeiten aufbauen bzw. ergänzen. Es wird dazu geraten, viel Lamm-, Hühner- oder Schildkrötenfleisch zu essen. Walnüsse, Datteln, die Drachenaugenfrucht (Longane), die Yamswurzel, die Lotusfrucht, Lilienpflanzen oder Kastanien etc. stärken Milz und Magen, wärmen und bewahren das Nierenyang und haben einen gesundenden Einfluss auf die Milz und die Schleimauflösung. Darüber hinaus verhindern diese Nahrungsmittel Husten und stärken die Lungenfunktion. Wenn man allerdings zu einer „heißen“ Körperkonstitution neigt, (was sich z.B. durch häufiges Nasenbluten, Augenwasser/-krusten morgens nach dem Aufstehen und Mundpickel etc. äußern kann), sollte man von den oben erwähnten Nahrungsmitteln nur gemäßigt essen.Man darf auf keinen Fall kalte Nahrungsmittel zu sich nehmen wie z.B. Eis oder andere kühle, gefrorene oder rohe Sachen.

二月 / Februar

Prinzip der Lebenspflege: Im Frühling und Sommer wird das Yang genährt; im Frühling sollte man sich zudecken.
Tagesablauf: „Mit dem Frühling kommt der Regen, da heißt es früh aufstehen und sich spät hinlegen“. Nach dem Tag des Frühlingsbeginns ist das Klima noch trocken, daher muss man bei der Wasserversorgung auf einen guten Ausgleich achten.

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Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte scharf-lauwarme, öffnende Lebensmittel zu sich nehmen wie z.B. chinesische Datteln, gekochte und gegorene Sojabohnen, Lauch, Koriander, Erdnüsse, Schnittlauch und Garnelenfleisch. Verboten sind scharf-beißende Lebensmittel. Im Frühling entsteht erstmals das Yang-Qi, man muss [daher] scharf-süße, öffnende Dinge essen; der sauer-zusammenziehende Geschmack eignet sich dagegen nicht. Denn der saure Geschmack geht in die Leber und hat zusammenziehenden Charakter und wirkt sich ungünstig aus auf die Entstehung von Yang-Qi und das freie Zirkulieren des Leber-Qi; wenn man seine Ernährung an die Lebenspflege anpasst, muss man sich den Bedürfnissen der inneren Organe unterwerfen.

三月 / März

Prinzip der Lebenspflege: Frühling und Sommer nähren das Yang, im Frühling bedeutet das eine Stärkung des Leber.
Tagesablauf: Im Frühling werden all die zehntausend Wesen wieder lebendig. Man sollte spät schlafen gehen und früh aufstehen, viel spazieren gehen und dabei keine Eile haben. Das macht die geistigen Kräfte frohgemut und den Körper gesund.

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Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte mehr Süßes zu sich nehmen, wie z.B. chinesische Datteln, Puffreis, Yams, chinesischen Schnittlauch, Spinat, Hirtentäschel, Hühnerfleisch oder Hühnerleber, und umso weniger Saures, wie z.B. Tomaten, Zitronen oder Mandarinen. Zum Frühling passen eher die die wärmenden Speisen, die Yang-Qi tonisieren. Sun Simiao, der tang-zeitliche „König der Arzneikunst“, hat gesagt: „Im Frühling spart man am besten am Sauren und isst mehr Süßes, um das Qi der Milz zu stärken.“ Die chinesische Medizin betrachtet Milz und Magen als die Wurzel des nachhimmlischen, also nach der Geburt aufgenommenen Qi. Mit dem Frühling steht die Leber in Resonanz, und wenn das Leber-Qi zu üppig wird, kann es der Milz schaden. Daher der Rat, im Frühling darauf zu achten mehr Süßes und weniger Saures zu essen, damit auf diese Weise die Milz gestärkt wird.

四月 / April

Prinzipien der Lebenspflege: Die Niere kräftigen, Yin und Yang regulieren.
Das A und O der Lebenspflege: Um sich weiterhin beschwingt zu fühlen, sollte man sich für sanfte Bewegungsformen entscheiden, die in sich still und ruhig sind, wie etwa Frühlingsspaziergänge ins Grüne, Gymnastik und Taijiquan. Bezüglich der Regulierung der Speisen, sollte man zu festen Zeiten eine bestimmte Menge Nahrung zu sich nehmen und nicht maßlos essen.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Man sollte viel Spinat essen, ebenso Hirtentäschelkraut, Röhrenlauch, Obst, Yamswurzel, Chinesische Bocksdornbeeren [Goji-Beeren] und Hasenfleisch. Meiden sollte man bittere und scharfe Nahrungsmittel, ölige und fette Speisen, Lebensmittel der Großen Kälte (Dahan) wie Chilli, fettes Fleisch, Salzwasserfisch, Garnelen etc.

五月 / Mai

Prinzipien der Lebenspflege: Nach der chinesischen Medizintheorie ist die Zeit um den „Beginn des Sommers“ (li xia) besonders günstig für physiologische Aktivitäten, die dem Herzen gut tun. In der Übergangszeit zwischen Frühling und Sommer müssen sich die Menschen der Wetterveränderung anpassen. Dabei ist es besonders wichtig auf das Herz zu achten.
Pflege des Geistes: Mit Blick auf die geistigen Kräfte sollte man am Übergang zum Sommer eine positive Einstellung des Herzens bewahren. Man achte darauf, dass plötzliche Freude oder plötzlicher Ärger das Yang-Qi des Herzens nicht schädigen können.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Es ist nun gut, viele Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, welche die innere Hitze klären und die Feuchtigkeit befördern, wie zum Beispiel rote Bohnen, Hiobstränensamen, grüne Bohnen, Wachskürbis, Schwammkürbis, Gartenkresse, Judasohren, Lotuswurzel, Karotten, Tomaten, Wassermelone, Yams und Ähnliches. Meiden sollte man hingegen fette, süße und schwere Speisen sowie alles Beißende und Scharfe, was die Hitzebildung anregt. So sollte man zum Bespiel tierische Fette, Meeresfrüchte und Fische, rohe Zwiebeln, rohen Knoblauch sowie Chili meiden.

六月 / Juni

Prinzipien der Lebenspflege: Achten Sie darauf, Ihre Konstitution zu stärken und versuchen Sie, saisonal bedingte oder ansteckende Krankheiten wie Hitzschlag, Mumps oder Windpocken zu vermeiden.
Das A und O der Lebenspflege: Spät ins Bett gehen und früh aufstehen – das Blut wird so, mit der vollen Energie des Yang-Qi, belebend durch den Körper kreisen.

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Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Grundsätzlich sollten Sie nun klare und stärkende Speisen und Getränke zu sich nehmen. Gut eignen sich Gemüse, Tofu und Früchte, wie Ananas, Balsambirne, Wassermelone, Litschi, Mango, grüne Bohnen, rote Bohnen usw. Vermeiden Sie ölige und fette Speisen.

七月 / Juli

Prinzipien der Lebenspflege: Nun gibt es, das Yang-Qi, also das temperamentvolle Qi, zu schützen und bewahren.
Das A und O der Lebenspflege: Menschen, die an Krankheiten der Blutgefäße des Herzen oder des Gehirns leiden, sollten ganz besonders auf ausreichend Schlaf achten und die Wohnung stets gut durchlüften. Gerade an heißen Tagen ist es äußerst wichtig, einen Hitzschlag zu vermeiden und sich vor den hohen Temperaturen zu schützen. Man sollte immer darauf bedacht sein, die Hitze z.B. durch Ventilatoren, Sonnenschirme, Markisen, Fächer etc. zu mildern.

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Auch auf einen hygienischen Umgang mit Lebensmitteln muss geachtet werden, um bakterielle Darmerkrankungen zu vermeiden. Menschen, die sich in dieser Zeit im Freien aufhalten und draußen arbeiten müssen, sollten besonders viel Wasser trinken.
Ge- und Verbote bei Essen und Trinken: Grundsätzlich sollten Sie nun klare und milde Speisen und Getränke zu sich nehmen, Gemüse und besonders grün-blättriges Gemüse, Gurken und Bittermelone, auch Balsambirne oder auch bittere Springgurke genannt, sind zu empfehlen. Auch Obst und allen voran die Wassermelone tun Ihnen jetzt gut. Vermeiden Sie auf jeden Fall ölige und fette Speisen.

八月 / August

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Nach wie vor gilt es, die Hitze zu vermeiden und die Temperatur zu senken.

Zu beachten: Der „Herbsttiger“* tritt bei großer Hitze auf, er schädigt die menschlichen Körperflüssigkeiten und es kommt leicht zu Krankheitsbildern wie trockener Haut, trockenen Augen, trockenem Rachen, wenig Speichel, tiefgelbem Urin und klumpigem Stuhlgang. Bei alten Leuten kommt es in dieser Zeit oft auch zu Problemen mit Herz, Hirn und Blutgefäßen.

Mentale Anpassung: Nach dem „Herbstbeginn“ sollte man seinen Geist dergestalt trainieren, dass man innerlich ruhig wird und seine Absichten befriedet; die Gefühle sollten angenehm entspannt sein, man sollte tunlichst schädliche Gefühle wie Trauer und Sorgen meiden, um der friedvollen Energie des Herbstes zu entsprechen.

Tagesablauf: In seinem Leben sollte man damit beginnen, „früh zu Bett zu gehen und früh aufzustehen und mit den Vögeln aktiv zu werden“.

*In der Periode zwischen August und Ende Oktober kommt der „Herbsttiger“ nach China, das bedeutet das Wiederaufleben der großen sommerlichen Hitze.

九月 / September

Das Grundprinzip der Lebenspflege besteht nun darin, dass Yin und Yang zum Ausgleich kommen, indem seine Yin Nachgiebigkeit zeigt und Yang sich in Zaum hält.

Zu beachten:
Das Herz finde zu einer fröhlichen Gemütsverfassung, und es ist auch gut, den Körper zu trainieren. Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist auch, Vorkehrungen gegen die dem Herbst typische Trockenheit zu treffen.

Die richtige Ernährung:
Jetzt ist es günstig, vermehrt Amerikanischen Ginseng zu sich zu nehmen sowie die Wurzeln der Schellenblume (Adenophora stricta), Lilienblüten und Mandeln, Knollen der Sichuan-Schachblume (Fritillaria), Wachskürbis und andere Arten von Kürbis, Karotten und Birnen.
Hingegen sollte man nicht das Weiße der Frühlingzwiebel verwenden und auch nicht frischen Ingwer, Kardamon oder Koriander.
Das ist alles dient jetzt dazu, Erkältungskrankheiten vorbeugen oder auch zu kurieren.
Keinesfalls essen sollte man nun Fische, Garnelen oder anderes Meerestiere wie Degenfische oder Krabben, und auch Chinesischen Schnittlauch und Chili muss man meiden.

十月 / Oktober

Das Grundprinzip der Lebenspflege:
Im Herbst und im Winter geht es darum, das Yin zu kräftigen. In der herbstlichen Jahreszeit muss man alles Yin-Qi, das im Körper gespeichert ist, bewahren und nähren. Denn eben in der Zeit, wenn das Wetter kalt wird, wird Yang-Qi geschwächt und die Yin-Essenzen verstecken sich im Inneren. Dem begegnet man am besten damit, dass man das Yin-Qi bewahrt und nährt.

Wie nun in geistiger Hinsicht gut für sich gesorgt wird:
Man achte nun darauf, seine Stimmungen nicht entgleiten zu lassen. Man vermeide emotionale Verletzungen und unternehme nurmehr solche Dinge, die einem das Herz öffnen und fröhlich machen. Man bewahre sich eine mitmenschliche, gute innere Haltung. Auf diese Weise verbringe man friedlich und gelassen die herbstliche Jahreszeit.
Unter den menschlichen Organen entspricht dem Herbst die Lunge. Deshalb sollte man zu dieser Zeit darauf achten, dass kein trockenes und schrägläufiges Qi in den Körper eindringen und ihm schaden kann, das die Yin-Essenzen der Lunge verletzen würde.

Die richtige Ernährung:
Es ist nun angemessen, vermehrt Sesam, Klebreis und anderen Reis zu essen, sowie Honig, Hühner- und Rindfleisch, Fisch, Chinesische Dattel (Jujube), Jamswurzel und dergleichen. Das alles dient der Stärkung der körperlichen Konstitution.
Weniger sollte man hingegen Zwiebelgewächse, Ingwer, Knoblauch und scharfe Speisen zu sich nehmen.

Das Wushu-Duanwei System

Durch das neue Prüfungssystem soll Wushu-Übenden in aller Welt die Möglichkeit geboten werden, ihr technisches und theoretisches Wissen systematisch zu bereichern, sich mit Gleichgesinnten auf Niveau zu messen, und dabei die eigenen Fähigkeiten besser einschätzen zu lernen.

Vorgeschichte

Weiß, gelb, grün, blau, rot, braun, schwarz — die Farbenpracht des Karate- oder Taekwondo-Gürtelsystems galt unter Wushu-Praktizierenden immer schon eher als etwas befremdlich. Im Gegensatz zu den japanischen und koreanischen Kampfkunstkollegen war der Ausbildungsweg für einen Schüler des chinesischen Wushu ganz geradlinig: Er war Schüler und blieb das auch zeitlebens vor seinem Meister, konnte aber auch selbst nach jahrelangem, mühevollem Training, ein Training, das die Chinesen mit „Bitternis essen“ (chi ku) umschreiben, irgendwann selbst die Meisterstufe erreichen.

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Obwohl das äußerst anstrengende, charakterbildende Training so manchen Anhänger dieser Sportart davon überzeugte, der in der Ausbildung anhaltende „Schülergrad“ sei voll und ganz gerechtfertigt, so gab es doch auch solche, die mit einem Auge zu den anderen asiatischen Kampfkunstkollegen hinüberschielten und sich fragten, warum das Wushu eigentlich keine Graduierungen kannte, die den verschiedenen Ausbildungsstufen Rechnung trugen. Dies führte dann auch dazu, dass Schulen, Vereine, Institutionen vornehmlich in den USA und Europa ihre eigenen Graduierungssysteme ins Leben riefen, was teilweise zu großer Verwirrung innerhalb der Kampfkunstszene führte.

Im Jahr 1998 sollte dieser Verwirrung ein Ende gesetzt werden und auch heimliche Blicke zur ‚Konkurrenz‘ waren nun nicht mehr vonnöten, denn seitdem gibt es auch im chinesischen Wushu ein differenziertes Ausbildungs- und Graduierungssystem: das sogenannte Wushu-Duanwei-System, das von der Chinese Wushu Association, dem chinesischen Dachverband für alle chinesischen Kampfkünste,  in Zusammenarbeit  mit der Nationalen Sportkommission und dem Chinesischen Wushu Forschungsinstitut entwickelt wurde.

Auch wenn die Einführung des chinesischen Wushu Duan-Systems im Vergleich zu den anderen asiatischen Kampfsportarten relativ spät erfolgte, so ist es keineswegs so, dass die chinesischen Kampfkünste niemals ein Prüfungssystem gekannt hätten. Mehr lesen »

„Die optimale Mitte ist ein sich bewegender Punkt.“ Markus Rupperts Buch hat das Zeug zum Standardwerk

Von Georg Patzer

Qigong-Ruppert

Um gleich beim Schluss anzufangen: So ein sensibles, präzises Buch hab ich noch selten gelesen, vielleicht noch nie. Ich weiß nicht, wie viel richtige Neulinge damit anfangen können, aber fortgeschrittene Anfänger werden es lieben. Und viel benutzen, hoffentlich.

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Gedanken zum Jahr des Affen

Von Irmgard Enzinger

Nach chinesischem Verständnis leben wir seit dem 8. Februar 2016 im Jahr des Feuer-Affen. Es gibt zahlreiche Prognosen: Ein unruhiges Jahr soll es werden, in dem es auf und ab geht. Viele Möglichkeiten können sich ganz plötzlich und schnell ergeben. Sie führen mal zu viel und mal zu wenig, und auf alle Fälle wird es einem nicht langweilig werden. Als schlauer Kopf gilt er, der Affe, und als Spieler. Er zeigt sich mutig und auffallend frei von Selbstzweifeln. Man liebt ihn oder ärgert sich über ihn als einen unabhängigen Kerl, der sich nicht gerne an Regeln hält und das Unkonventionelle liebt. Er soll etwas Schillerndes an sich haben und zugleich etwas ganz Reines, weil er so geradeheraus und ohne Umschweife handeln kann.

Affe, Linolschnitt von Irmgard Enzinger

Affe, Linolschnitt von Irmgard Enzinger

Vielleicht lässt sich sein Wesen besser verstehen, wenn man es in der Symbolsprache der altchinesischen Weltdeutung betrachtet, also erst einmal zu den alten Vorstellungen zurückgeht, die dem chinesischen Horoskop zugrunde liegen: Das sind die zehn so genannten „Himmelsstämme“, die ein Jahr der Wandlungsphase Wasser, Holz, Feuer, Erde oder Metall zuordnen, und natürlich die zwölf „Erdzweige“, die der Volksmund zu den zwölf Tieren des Horoskops gemacht hat. Und es geht auch um Kräfte wie Yin 阴 und Yang 阳 und die fünf Wandlungsphasen, und, nicht zu vergessen, um die Hexagramme des „Buchs der Wandlungen“ Yijing 易经.

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Anmerkungen zu Taijiquan und Tuishou

Von Huang Kanghui

Für mich sind die Kampftechniken des traditionellen Taijiquan so etwas wie eine Schatzkarte.

Trainiert man beim Taijiquan sein Qi?

Das Qi zu trainieren ist wesentlicher Bestandteil traditioneller chinesischer Lebenspflege (yang sheng), die früher schon von Daoisten hoch geschätzt wurde. Taijiquan ist ein innerer Stil (neijiaquan), der auf dem Gedankengut des Yin und Yang beruht. Das Qi soll beim Üben des Taijiquan durch den ganzen Körper fließen, „wie eine Perle durch neunerlei Windungen rollen und bis in jeden noch so winzigen Bereich gelangen. “[1] Qi wird durch Gerades ernährt und nimmt dadurch keinen Schaden, Kraft wächst durch Windungen an und ist dadurch im Überfluss vorhanden.

Huang Kuanghui Copyright: Wushu-Akademie Schweiz

Huang Kuanghui
Copyright: Wushu-Akademie Schweiz

Laut Hong Junsheng (1907-1996) hat die Taiji-Koryphäe Chen Fake (1887-1957) immer Wert auf die natürliche Atmung gelegt und gesagt: „Die Körperbewegungen sollen fließend und harmonisch sein und das Qi sollte sich überall natürlich und frei ausbreiten können“. Darum sollten wir beim Taijiquan das Qi nicht willentlich bewegen, sondern darauf achten, natürlich zu atmen. Durch beständiges Üben wird man dies erlernen. Wenn man das Gefühl hat, dass Kraft und Qi nicht ausreichen, müssen die Atemzüge tiefer werden. Wenn man Qi bewusst bewegt und die Koordination von Bewegung und Atmung erzwingt, wird der Qi-Fluss nicht gelingen, sondern man wird im Gegenteil das Qi sogar blockieren. Dies ist für das Üben nicht förderlich und kann sich sogar negativ auf den Körper auswirken.

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Ausgewählte Taijiquan Bewegungen, Folge 2: Yunshou

Von Anja Sommerer und Caroline Roblitschka

Die runden Bewegungen der Arme erinnern an ziehende Wolken – fließend, leicht und anmutig
Eines der Grundprinzipien im Taijiquan ist der ruhige Geist. Der alltägliche geschäftige Gedankenfluss soll sich beruhigen und sich entspannt mit den Bewegungen des Körpers verbinden. Körper und Geist sollen eins werden.

Mit der Bewegung der Wolkenhände (Yunshou 云手) lässt sich die Fähigkeit, Körper und Geist zu verbinden, besonders gut üben. Denn die obere Hand nimmt den Blick mit sich fort und gibt ihn weiter an die zweite Hand, die ihn auf die andere Seite führt. Und dort, wo unser Geist und unser Bewusstsein hin führen, ist auch unser Blick als Ausdruck des Geistes. Durch die Bewegungen können sich Körper und Geist harmonisch ergänzen und zu einer inneren Ruhe gelangen. Unterstützt wird dies von einer tiefen und natürlichen Atmung.

Photo by Anita Ritenour

Photo by Anita Ritenour

Die Wolkenhände finden sich in (beinahe) jeder traditionellen Taiji-Form wieder, oftmals nicht nur ein Mal. Sie sind nach rechts und links ausführbar und je nach Stilart etwas unterschiedlich. Innerhalb der Form ist es manches Mal wie ein Innehalten und Ausruhen und die Wolkenhände können einem vor allem in langen Formen Anhaltspunkt dafür geben, wo man sich gerade in der Form befindet. Diese Bewegung gibt der Form durch ihren sich wiederholenden, beruhigenden Fluss gewissermaßen Struktur. Mehr lesen »

Kungfu als Kraftquell in China

Von Christiane Schmalzl

Drachentanzgruppe an der Universität Qingdao mit Christiane Schmalzl (2. v. links)

Drachentanzgruppe an der Universität Qingdao mit Christiane Schmalzl (2. v. links)

Kungfu ist mein Kraftquell in China. Das ist ein gewichtiger Satz, aber so ist es tatsächlich seit nunmehr 15 Jahren. Zum einen ist die Stadt Qingdao schon so lange zu meiner neuen Heimat geworden, zum anderen habe ich es in dieser Zeit mit Geduld, Ausdauer und endlosem Training geschafft mein Qi 气 zum Leben zu erwecken, mit jedem Training aufs Neue: im wahrsten Sinne ein Quell unerschöpflicher Kraft.
Leider steht meine persönliche Erfahrung im Widerspruch zur Kungfu-Trainingssituation im chinesischen Alltag, die sich eher als Trauerspiel bezeichnen lässt. Nicht nur mein Shifu (师父, Meister) ist darüber sehr unglücklich, denn die Bedingungen sind erbärmlich, sobald es ein wenig mehr sein soll als das morgendliche und abendliche Taijicao 太极操, das Taiji-Üben in öffentlichen Parks. Einen sehr idyllischen und faszinierenden Eindruck vermittelnd,ist das in erster Linie ein Nachahmen kungfu-ähnlicher Bewegungsformen, eine tolle Beschäftigung für zumeist Rentner und ältere Menschen, die sich auf diese Weise Gesundheit und jungen Geist bewahren. Die ältere Generation im Westen könnte sich daran ein Beispiel nehmen.
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Peng Zu, der chinesische Methusalem

Von Irmgard Enzinger

Gesund ein hohes Alter zu erlangen, dieses Glück hat in China einen eigenen Namen: shou 壽, das Glück des langen Lebens. Die Symbolfigur des legendär hohen Alters, gewissermaßen eine Entsprechung zum biblischen Methusalem, heißt in China Peng Zu 彭祖. Wie Methusalem lebte auch Peng Zu in ferner Vergangenheit: „Er hatte gegen Ende der Yin-Dynastie ein Alter von siebenhundertsechzig Jahren erlangt, ohne hinfällig geworden zu sein“, weiß der berühmte Daoist Ge Hong 葛洪 (ca. 280–340) weit über tausend Jahre später über ihn zu berichten.

 

Pengzu Bart und Beule

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